Was passiert mit dem Müll im Mondseeland

Was passiert mit dem Müll im Mondseeland

Was passiert mit dem Müll im Mondseeland

Mondseeland als alter Hase in der Abfalltrennung

Der Follow-Up-Workshop der Green Makes Community und der KEM Mondseeland, welcher Anfang Februar online stattfinden konnte,
stand ganz im Zeichen der Abfallwirtschaft im Mondseeland sowie der zahlreichen Ideen der Green Makes TeilnehmerInnen. Erstmals
wurde in diesem Zuge auch ein öffentlicher Vortrag für das ganze Mondseeland organisiert. Die Abfallberaterin Julia Scherndl vom
Bezirksabfallverband Vöcklabruck konnte Spannendes zum Thema Mülltrennung im Mondseeland erzählen und viele brennende,
allgegenwärtige Fragen klären. Die ZuhörerInnen erfuhren, dass der Bezirksabfallverband Vöcklabruck mit insgesamt 52 Gemeinden
und 138 000 EinwohnerInnen ein vergleichsweise großer ist und dass dessen Zuständigkeiten vor allem in den privaten, nicht aber in
den gewerblichen Bereich fallen. Eine weitere – meist noch unbekannte – Tatsache ist, dass es sich beim ASZ Mondseeland um das
zweitälteste in ganz Oberösterreich handelt – fast schon ein Pionier in der Abfalltrennung!

Restmüll
Die BewohnerInnen des Mondseelandes sind fleißige MülltrennerInnen – mit durchschnittlich 76,4 kg Restmüll/Jahr/Person im Vergleich
zu 84 kg im Bezirks-Durchschnitt (Zahlen aus 2019). Da der Restmüll die teuerste Entsorgung mit sich bringt, wirkt sich der Anteil der
Verwertung auf unsere Abfallgebühren aus. Eine bessere Trennung kann also Geld sparen! Fakt ist auch, dass durchschnittlich 55%
des üblichen Restmülls noch verwertet werden könnten. Eine Restabfallanalyse in OÖ 2018/19 besagt, dass mehr als die Hälfte der
Fehlwürfe im Restmüll landen wie beispielweise biogene Abfälle. Auch Alteisen oder Problemstoffen wie Akkus oder entzündbaren
Materialien gehen darin verloren. 100 % des Restabfalls werden in der thermischen Abfallverwertung in Wels (WAV), dem Herzstück
der Oberösterreichischen Müll-Lösung, verbrannt.

Biogene Stoffe
Unser „Biomüll“ landet im Mondseeland in der „Kompostierung Matthias Schwaighofer KG“. Vorsicht ist hier gegeben bei angeblich
„kompostierbaren“ Stoffen wie biologisch abbaubaren Kaffeekapseln oder Biokunststoff-Müllbeuteln. Häufig sind diese nur unter
bestimmten Bedingungen kompostierbar (z.B. bei hohen Temperaturen), was Kompostieranlagen häufig nicht leisten können.
Das hauptsächliche Problem der biologisch abbaubaren Plastiksackerl in der Biotonne ist jedoch, dass noch zu viele „normale“
Plastiksackerl in die Biotonne geworfen werden. Die Kompostierer unterscheiden beim Aussortieren nicht, um welches Plastik
es sich handelt. Dagegen kann biologisches, pflanzliches und nicht chemisches Material wie z.B. Küchenrolle oder Papier als
Biomüllbeutel verwendet werden, es sollte aber nicht die Hauptentsorgung darstellen. Fleisch sollte generell im Biomüll vermieden
werden, da dies ungewünschte Nutznießer wie z.B. Ratten anzieht.

Glas
Dieses ist grundsätzlich gut recyclebar, sofern buntes und weißes Glas getrennt werden. Einen Buntglas-Fehlwurf in einem
Weißglas-Container zu beseitigen, stellt die Abfallverwertung vor eine erhebliche Herausforderung. Der ökologische Aufwand sowie
die Vorteile gegenüber Mehrweg-PET sind stark abhängig vom Transport, die Häufigkeit der Wiederverwendung der Flaschen oder
beispielsweise gesundheitlichen Aspekten. In die Glascontainer gehören grundsätzlich nur Glasverpackungen, nicht aber Spiegel,
Trinkgläser, Keramik, Flaschenverschlüsse o.Ä.

Altpapier
Es sollte kein beschichtetes, Thermo- oder stark verschmutztes Papier (z.B. Rechnungen, feuchter, schmutziger Pizzakarton) zum
Altpapier gegeben werden. Die Regel ist, je mehr unterschiedliche Materialien, desto schwerer kann es recycelt werden
(z.B. Papierhülle oder Multi-Layer-Verpackungen).

Gelber Sack
In den gelben Sack kommen NUR Verpackungen aus Plastik, Metall, Textil oder beispielsweise auch Getränkekartons (Tetra Pak),
nicht aber Spielsachen oder Ähnliches aus Plastik. Für einen AHA-Effekt sorgte die Tatsache, dass durch Entsorgung und Trennung
im ASZ eine Recyclingquote/stoffliche Verwertung von über 90 % erreicht wird (7 unterschiedliche Behälter für eine sortenreine Trennung),
wogegen die Quote beim gelben Sack nur bei ~ 30 % liegt (automatisierte Sortieranlage). Der Rest wird thermisch verwertet
(u.a. in energieintensiven Betrieben, zum Beispiel in der Zellstoffindustrie). Sollte der Abfallgegenstand aus zu vielen Verbundstoffen
bestehen, dann gehört dieser ebenso in den gelben Sack, nur kann er nicht stofflich, sondern nur thermisch verwertet werden.
Dunkel gefärbtes Plastik (z.B. Männershampoos) wird von den Sortieranlagen nicht erkannt, weshalb man es selbst im ASZ trennen sollte.

Weitere interessante Hinweise:
– Grundsätzlich gehört der Inhalt aus den Verpackungen; zu starke Verschmutzungen oder Nässe sollte vermieden werden; vollständige
Reinigung und Trocknung ist jedoch nicht notwendig. Für Joghurtbecher oder ähnliches gilt die Devise „löffelrein“.
– Gummiringerl können nicht recycelt werden, gehören also in den Restmüll (Prozess des Vulkanisierens = Gegenstand wird
mit Hitze und Schwefel in Form gebracht)
– Wischtücher/Feuchttücher bestehen zu einem überwiegenden Teil aus Plastik, weshalb man diese keinesfalls in die Toilette
schmeißen sollte, da sie sich nicht zersetzen und Kanäle verstopfen
– Laut der EAK GmbH landeten 2018 in Österreich knapp 860 Tonnen Altbatterien im Restabfall (Brandgefahr!)

Im Rahmen der Präsentation wurde eines sehr deutlich – der ökologischste Müll bleibt jener, der erst gar nicht anfällt. Fakt ist,
dass ein großer Megatrend zu einem steigenden, kritischen Hinterfragen durch den Konsumenten und die Nutzung alternativer,
umweltfreundlicherer Materialien (z.B. Recycling-PET), Re-Use und Upcycling führt. In der App des Bezirksabfallverbandes
„Abfall OÖ“ findet man viele Infos und Tipps für die Abfalltrennung einzelner Materialien und Produkte sowie zur Vermeidung von Müll.

Bericht: Stefanie Mayrhauser (KEM Mondseeland)