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Drogen

Informationen zum Thema Drogenabhängigkeit

OA Dr. Prunnlechner / OA Dr. Rössler, Univ. Klinik für Psychiatrie, Innsbruck


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Definition der Weltgesundheitsorganisation:
Drogenabhängigkeit ist ein Zustand psychischer und gegebenenfalls physischer (körperlicher) Abhängigkeit von einer Substanz oder mehreren Substanzen mit zentral-nervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird/werden.

Psychische Abhängigkeit:
Ein unbezwingbares gieriges seelisches Verlangen mit der Einnahme der Droge fortzufahren, und sie um jeden Preis zu verschaffen. Psychische Abhängigkeit charakterisiert alle Drogenabhängigkeitstypen. Psychische Entzugserscheinungen bestehen im allgemeinen aus Unruhezuständen, Angst, dem Drang zu erneuter Drogeneinnahme, depressiven Verstimmungen und unter Umständen Selbstmordgedanken.

Physische Abhängigkeit:
Bei Absetzen des Suchtmittels Auftreten von körperlichen Abstinenzsymptomen (Entzugserscheinungen). Diese sind meist Schmerzzustände aber auch vegetative Symptome wie Zittern, Frieren, Schweißausbrüche, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Schwindel und Abgeschlagenheit.

Wirkungsweise illegaler Drogen:
Warum einige Menschen zu diesen Suchtmitteln greifen ist letztlich noch nicht völlig geklärt. Wesentlich scheint allerdings die, durch die Droge erhoffte Stimmungsänderung zu sein, die mit der Einnahme hervorgerufen wird. Manche Drogen erzeugen Euphorie und Glücksgefühle, andere beruhigen, dämpfen die Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit. Wiederum andere aktivieren, putschen auf und steigern die Erregung. Eine weitere Gruppe verändert das Denken und die Sinneswahrnehmung.
Die Drogenwirkung hängt aber nicht allein vom jeweiligen Stoff ab. Die Dauer und Art der Einnahme, die Dosis aber auch aktuelle Stimmungen und Gefühlslagen nehmen Einfluss auf die jeweilige Wirkung. Weiterhin gilt, dass nicht alle Suchtmittel körperliche und psychische Abhängigkeit gleichermaßen erzeugen. Eine Droge, die "nur" psychisch abhängig macht, ist deshalb nicht harmlos.

Schädigung durch Suchtmittel:
Auch die jeweilige Schädigung durch ein Suchtmittel, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Die Art der Einnahme und die Dauer sind ebenso wichtig wie die persönlichen und körperlichen Voraussetzungen des Süchtigen und sein soziales Umfeld. Bei den verschiedenen Suchtmitteln gibt es körperlich-medizinische, psychische und soziale Schädigungen.

Süchtige brauchen qualifizierte Hilfe:
Eltern die vermuten, dass ihr Kind Suchtmittel missbraucht, sollten möglichst schnell Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnehmen. Eine große Hürde besteht darin, dass der Abhängige die Sucht vor sich und anderen leugnet. Solange diese Abwehr nicht überwunden wird, sind keine Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung gegeben. Die Liebe und Zuwendung der Eltern dürfen jetzt nicht bedingungslos sein, d.h. statt "wir sind immer für Dich da" muss es jetzt heißen "wir sind für Dich da, wenn Du Dich von Deiner Sucht befreien willst". Von den Eltern erfordert das viel Kraft und Mut, sodass sie sich Unterstützung und fachliche Beratung holen sollten.
Ein Süchtiger muss aus eigener Überzeugung in die Therapie gehen, dann ist die Aussicht auf Erfolg am Größten. In der Regel besteht am Anfang noch eine unstabile Motivation, Rückfälle oder Therapieabbrüche sind nicht selten und oft gelingt die Festigung der Motivation erst im zweiten oder dritten Anlauf. Auf jeder Stufe der Behandlung wird der süchtige Mensch schrittweise darauf vorbereitet, wieder Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Entgiftung:
Die Entgiftung erfolgt in der Regel stationär unter ärztlicher Aufsicht. Dem Suchtkranken werden alle Suchtmittel entzogen, es setzen Entzugserscheinungen ein, die teilweise mit starken körperlichen und seelischen Missempfindungen verbunden sind. Diese können medikamentös gelindert werden und dauern solange, bis der Körper sich auf ein "Funktionieren ohne Suchtmittel" eingestellt hat - in der Regel nur wenige Wochen.

Entwöhnung:
Nach der Entgiftung wird die Entwöhnung in der Regel in einer Fachklinik oder ambulant mit Hilfe therapeutischer Gruppen- und Einzelbehandlung durchgeführt. Die therapeutischen Konzepte verfolgen folgende Ziele:

Es müssen die Ursachen und Persönlichkeitsfaktoren, die zu dem Suchtverhalten führten gefunden und "bearbeitet" werden.
Der Betroffene soll lernen, Alltagsprobleme und evtl. zugrundeliegende seelische Störungen so zu bewältigen, dass ihm ein Ausweichen auf Suchtmittel nicht mehr nötig erscheint.
Praktischen Alltag (wieder) erlernen (aufstehen, Termine einhalten, etc.)
Der Betroffene ist auf seine Rückkehr in den Lebensalltag mit seinen vielen Verpflichtungen und Problemen vorzubereiten.
Nachsorge:
In der Regel ist bei Suchterkrankungen über die Entwöhnungsphase hinaus die kontinuierliche Teilnahme an Selbsthilfegruppen oder die Nachbetreuung durch ambulante oder stationäre Therapieeinrichtungen notwendig. Dabei steht im Mittelpunkt nun nicht mehr die psychotherapeutische Betreuung, sondern Fragen der praktischen Lebensbewältigung.

Substitutionstherapie:
Drogensüchtige, die seit mehreren Jahren Heroin konsumiert haben und sich bereits mehrfach und erfolglos einer Entwöhnungsbehandlung unterzogen haben, können im Rahmen der Methadon-Substitutionstherapie (Ersatz des illegalen Heroins durch Methadon) ambulant behandelt werden. Neben der täglichen Einnahme des Methadon in der Apotheke werden die suchtkranken Patienten in begleitende Therapiemaßnahmen (psychosoziale Betreuung, Psychotherapie, etc.) eingebunden. Diese Therapieform ermöglicht Suchtkranken ihr soziales Umfeld beizubehalten und einer Arbeit nachzugehen, oder eine Umschulung oder Weiterbildung vorzunehmen.